Spaziergang

Intervall-Denken

„Um 10 Uhr ist ein Meeting mit Herrn Hoffmann“ höre ich einen Kollegen über den Büroflur rufen. Ich schaue in den Kalender und sehe die Termineinladung mit dem Betreff „Brainstorming zur neuen Produktidee“, die vor 12 Minuten in mein E-Mail-Postfach geflattert ist. „Wir möchten Marketing-Ideen für das neue Produkt sammeln“ heißt es in der Termineinladung. Mehr Inhalt ist nicht zu finden. Ohne eine Einführung in das Thema und ohne Agenda kann ich mich nicht auf das Thema vorbereiten. Ich begebe mich vollkommen unvorbereitet in den Besprechungsraum und hoffe, dass ich ad-hoc gute Marketing-Ideen generieren kann. Kreativität auf Knopfdruck.

Agenda + Ziel

Die eingangs beschriebene Geschichte habe ich schon oft erlebt. Vermutlich erlebst auch Du regelmäßig solche Meetings. Eine Einladung zum Meeting mit einer kurzen Einführung, einer Agenda und einer klaren Zieldefinition ist sogar die Ausnahme. „Es wissen ja alle Bescheid, worum es geht“ heißt es dann.

Ein solches Vorgehen vermeidet jedoch, dass wir uns vernünftig auf die Meetings vorbereiten können. Wüssten wir, für welches Produkt die neuen Marketing-Ideen entwickelt werden sollen und was genau das Ziel des Meetings ist, könnten wir uns bereits im Vorfeld damit auseinandersetzen.

Das soll nicht bedeuten, dass wir bereits zum Meeting eine 10-seitige Ausarbeitung zu möglichen Marketing-Ideen mitbringen und an die Teilnehmer verteilen. Es bedeutet, dass wir bereits wissen, um welches Produkt es sich handelt und sich unser Unterbewusstsein bereits damit auseinandersetzen kann.

Angenommen es handelt sich bei dem Produkt um einen neuartigen Mixer. Beim abendlichen Kochen (bzw. Abwaschen) kommt uns vielleicht die Idee, dass es toll wäre, wenn ein Mixer leicht zu reinigen wäre. Dies könnte eine Eigenschaft sein, die im Marketing des neuen Produktes berücksichtigt werden kann: „Der neue Mixer lässt sich kinderleicht zerlegen und reinigen“. Dass wir diese Idee auch ohne Vorlaufzeit im zweistündigen Kreativitäts-Meeting bekommen hätten, mag ich mal bezweifeln.

Bei einer Termineinladung kurz das Thema vorstellen und eine Agenda anhängen, kann somit große Auswirkungen haben. Auch eine Zieldefinition ist gut, damit jeder weiß, in welche „Richtung“ gedacht werden soll. Falls Du dennoch Termineinladungen ohne Agenda erhalten solltest, könntest Du diese „unter Vorbehalt“ annehmen und beim Organisator eine entsprechende Agenda nachfordern.

Spazieren gehen

Haben wir im Vorfeld über eine ordentliche Termineinladung eine kurze Einführung in das Thema erhalten, können wir uns bereits vorweg mit dem Thema auseinandersetzen. Wir können aktiv über Lösungen (z.B. Marketing-Ideen zum neuen Produkt) nachdenken und anschließend unser Unterbewusstsein daran weiterarbeiten lassen.

Erfahrungsgemäß kann ein Spaziergang Wunder bewirken. Einfach mal das Smartphone zuhause liegen lassen oder tief in der Innentasche der Jacke verstauen und eine Runde durch den Park spazieren. Dort sind auch andere Leute unterwegs, die ggf. für weitere Inspirationen sorgen.

Aufschreiben

Während des Spazierganges hatten wir viele Ideen, die zwar noch unausgereift sind, aber dennoch weiter verfolgt werden sollten. Statt diese im Gedächtnis zu „parken“, sollten wir sie aufschreiben – z.B. in einem Notizbuch oder der Notizen-App. Dies hilft uns dabei, die Dinge noch einmal aufzuarbeiten und zu strukturieren. Natürlich schützt ein Notizbuch auch davor, dass die Ideen ungewollt wieder in Vergessenheit geraten.

Das Notizbuch ist ein Hilfsmittel, um neue Erkenntnisse aufzuschreiben und diese regelmäßig Revue passieren zu lassen. Wir schreiben unsere Ideen auf und legen das Notizbuch zur Seite. Die Gedanken sind nun erst einmal von den Ideen „befreit“, aber das Unterbewusstsein arbeitet daran weiter. Vielleicht kommt demnächst bei einem weiteren Spaziergang einer dieser „Gedankenblitze“. Zuhause angekommen können wir auch diesen Gedankenblitz aufbereiten und unsere ursprünglichen Notizen ergänzen. So können tolle Ideen Schritt-für-Schritt reifen.

Fazit

Als Alternative zur eingangs beschriebenen Zwangs-Kreativität in einem Zwei-Stunden-Meeting können wir die Kreativität durch aktive Denk- und Entspannungsphasen erhöhen. Wir stellen uns vor’s Whiteboard und sammeln Ideen, lassen diese jedoch anschließend bei einem Spaziergang oder beim Abwaschen wirken. Die Erkenntnisse schreiben wir auf, damit sie nicht verloren gehen und wir sie bei der nächsten Whiteboard-Session berücksichtigen können.

Durch die Pausen zwischen den aktiven Denkphasen und den Wiederholungen ergänzen wir Schritt-für-Schritt unsere Ideen zu einem bestimmten Thema. Dieses Vorgehen erlaubt es uns, in kleinen Schritten zu tollen Ideen zu kommen.

Probiere es gerne einmal aus. Statt beim nächsten mal die Kreativität zu erzwingen, sammelst Du erste Ideen, schreibst diese auf und lässt sie in Deinem Unterbewusstsein wirken.

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