Portemonnaie mit vielen Karten

Minimalismus im Portemonnaie

Die Girocard für die tägliche Bargeldversorgung, die Girocard des gemeinschaftlichen Haushaltskontos, die private Kreditkarte, die Firmen-Kreditkarte für Hotelreservierungen und Flugbuchungen sowie diverse Kundenkarten. Dies sind Inhalte, die neben dem Bargeld unsere Portemonnaies füllen.

Hat das Portemonnaie seine Kapazitätsgrenze erreicht, stellt man sich die Frage, ob man wirklich immer die Mitgliedskarte des NABU und die Kundenkarte des Friseurs bei sich führen muss. In diesem Moment ist es an der Zeit, über Minimalismus in der eigenen Geldbörse nachzudenken. Welche Karten benötigt man wirklich im Alltag und welche müssen lediglich sicher zuhause verwahrt und nur bei Bedarf mitgeführt werden?

Kreditkarten konsolidieren

Neben den klassischen Kreditkarten gibt es inzwischen auch bei vielen Giro-Konten kostenlos eine Kreditkarte dazu. Es handelt sich dabei meistens um Debit-Kreditkarten. Unseren anfänglichen Mix aus Giro- und Kreditkarten könnte man somit durch die kostenlosen Debit-Kreditkarten ausschließlich durch Kreditkarten abbilden – die Girocards sind somit überflüssig. Dies ermöglicht, die Kreditkarten zu konsolidieren, um zukünftig nur noch eine Kreditkarte bei sich führen zu müssen – sozusagen eine Meta-Kreditkarte.

Für dieses Vorgehen nutze ich die NFC-fähige Kreditkarte von Curve. Es handelt sich um eine Meta-Kreditkarte, die unseren zahlreichen (Debit-)Kreditkarten vorgeschaltet werden kann. Curve stellt dazu eine Kreditkarte zur Verfügung. In der Curve-App hinterlegt man seine Kreditkarten. Möchte man mit der Curve-Kreditkarte bezahlen, wählt man in der App einfach die Kreditkarte aus, von der der zu zahlende Betrag abgebucht werden soll. Die Auswahl wird in Echtzeit übernommen und gilt auch für zukünftige Transaktionen, solange in der App keine andere Kreditkarte aktiviert bzw. ausgewählt wurde.

Zeitreisen

Das klingt alles schön und gut, aber ist die Auswahl einer Kreditkarte in der App doch nicht weniger aufwändig als das Heraussuchen der richtigen Kreditkarte im Portemonnaie? Wirklich gut ist die App genau dann, wenn man später bemerkt, dass man die bereits getätigte Zahlung mit einer anderen Kreditkarte hätte tätigen wollen. Hat man z.B. das Geschäftsessen oder das Hotel versehentlich von der privaten Kreditkarte gezahlt? An dieser Stelle kommt die „Go back in time“-Funktion von Curve zum Einsatz. Sie ermöglicht es, nachträglich Transaktionen auf eine andere Kreditkarte umzuleiten.

Man kann sich abends (im Hotel) in Ruhe hinsetzen und prüfen, ob alle Zahlungen mit den richtigen Kreditkarten getätigt wurden. Ist das Essen mit den Arbeitskollegen vielleicht doch über die Firma abzurechnen und sollte somit über die Firmen-Kreditkarte laufen? Über die „Go back in time“-Funktion von Curve kann man die betroffene Transaktion ganz einfach auf eine andere Kreditkarte umleiten. Dabei wird der Betrag auf der ursprünglichen Kreditkarte storniert und anschließend von der korrekten Kreditkarte abgebucht.

Die stressige Situation an der Supermarkt-Kasse wird dadurch auch weniger stressig. Man muss sich an der Kasse nicht auf die Schnelle entscheiden, mit welcher Kreditkarte eine Zahlung getätigt werden sollte, sondern kann erstmal mit der Curve-Kreditkarte zahlen. In einem ruhigen Moment verschiebt man die Transaktionen dann ganz in Ruhe auf die korrekten Kreditkarten.

Kosten

Die Curve-Kreditkarte ist kostenlos. Es gibt zwar auch eine kostenpflichtige Variante, die jedoch für uns nicht relevant ist. Aber wie verdient Curve dann Geld? Bei der Curve-Kreditkarte handelt es sich um eine Business-Mastercard. Für privat genutzte Kreditkarten hat die EU die Gebühren für Zahlungen begrenzt. Für Business-Kreditkarten gilt diese Begrenzung jedoch nicht. Meistens werden zur Curve-App private Kreditkarten hinzugefügt. Somit erhält Curve über ihre Business-Mastercard mehr Gebühren, als sie für die Abbuchungen von den hinterlegten privaten Kreditkarten bezahlen muss. Mit diesem Spread verdient Curve ihr Geld.

Nachteile

Die Curve-Kreditkarte hat auch ein paar Nachteile. Die Kosten sind keine Nachteile, denn sie ist kostenlos. Als Nachteil kann angesehen werden, dass sie als weiterer Mitspieler in der Transaktionskette zwischengeschaltet ist und Transaktionsdaten einsehen kann. Ebenfalls handelt es sich um ein Startup aus London (GB). Dies ist unproblematisch, jedoch gibt es Personen, die sich dabei nicht wohl fühlen.

Ein Nachteil, der jedoch nicht auf Curve bezogen ist, ist die teilweise noch ausbaufähige Akzeptanz von Kreditkarten. Leider trifft man immer mal wieder auf Kartenzahlungs-Terminals, die keine Kreditkarten, sondern nur Girocards (früher „EC-Karten“) akzeptieren. Unsere Strategie, alle Girocards durch Kreditkarten zu ersetzen und anschließend durch Curve zu konsolidieren, ist an dieser Stelle somit nicht vollständig möglich. Es ist leider immer noch ratsam, eine Girocard als Fallback dabei zu haben.

Vorteile

Neben den bereits genannten Features bringt die Nutzung einer Meta-Kreditkarte (wie z.B. Curve) noch weitere Vorteile mit sich. Dadurch, dass sie als Meta-Kreditkarte vorgeschaltet ist, sieht der Händler (bei dem die Zahlung getätigt wird) nicht die echten Kreditkartendaten, sondern nur die Daten der Curve-Kreditkarte. Auch im Falle eines Verlustes der Kreditkarte ist Curve sehr hilfreich. Über die App können ganz einfach die hinterlegten Kreditkarten deaktiviert werden, sodass die Curve-Karte nicht mehr für Zahlungen verwendet werden kann. Sie ist somit unbrauchbar und man kann auf seine sicher verwahrten Kreditkarten zurückgreifen.

Es gibt Direkt-Banken, bei denen es als kostenlose Kreditkarte lediglich eine virtuelle Kreditkarte gibt. Dies ist z.B. bei der Fidor Bank der Fall. Die Kreditkartennummer, das Gültigkeitsdatum sowie die Prüfnummer (CVC) können online über das Web-Interface abgerufen und für Online-Zahlungen verwendet werden. Diese Daten können jedoch auch in die Curve-App eingetragen werden, sodass man dadurch trotz virtueller Kreditkarte eine physische Kreditkarte nutzen kann.

Fazit

Eine Meta-Kreditkarte kann genutzt werden, um die eigene Geldbörse aufzuräumen und bei Bezahlungen mehr Flexibilität zu haben. Die „Go back in time“-Funktion ist gerade für Geschäftsreisende wirklich Gold wert.

Aufgrund der teilweise fehlenden Kreditkarten-Akzeptanz sollte man leider auch immer eine Girocard als Fallback dabei haben. Das wird in Zukunft aber sicherlich besser, wenn auch die alten Kartenzahlungs-Terminals gegen neuere Modelle ausgetauscht wurden.

Im Alltag habe ich somit für Zahlungen nur noch die Curve-Kreditkarte sowie eine Girocard dabei. Geht man auf Geschäftsreisen, sollte man jedoch auch die weiteren Kreditkarten einpacken. Diese muss man jedoch nicht immer bei sich führen, sondern kann sie sicher in der Tasche oder im Hotelsafe verstauen. Gleiches gilt auch für Urlauber: Beim Surf-Ausflug die Kreditkarten sicher im Hotel verwahren und lediglich die Curve-Kreditkarte mitnehmen. Beim Bezahlen immer die Curve-Kreditkarte nutzen und später in Ruhe mithilfe der „Go back in time“-Funktion die Transaktionen auf die gewünschten Kreditkarten umbuchen.

Noch nicht testen konnte ich, ob die Curve-Kreditkarte auch für Mietwagen-Buchungen genutzt werden kann oder die Mietwagen-Unternehmen eine „echte“ Kreditkarte fordern. Debit-Kreditkarten akzeptieren sie meistens nicht und hinter der Curve-Kreditkarte könnten sich ja auch ausschließlich Debit-Kreditkarten befinden. Ich werde es in Zukunft bei der nächsten Mietwagen-Buchung ausprobieren.

Kennt ihr noch weitere Tipps, wie man seine Geldbörse minimalisieren kann, um nicht immer alle Karten und Ausweise mitführen zu müssen?

Ein Gedanke zu „Minimalismus im Portemonnaie“

  1. Curve + Consorsbank VISA-Card:

    Für diejenigen, die versuchen Ihre VISA-Card der Consorsbank zur Curve-App hinzuzufügen:

    Nachdem die Kreditkarte zur Curve-App hinzugefügt wurde, reserviert Curve einen kleinen Betrag auf der Kreditkarte. Diese Buchung enthält den Code, der für die Aktivierung der Karte benötigt wird. Bei der Consorsbank ist dieser Code jedoch nicht direkt der Umsatzübersicht zu entnehmen. Man muss dazu die weiteren Infos der jeweiligen Buchung öffnen. Da auch hier der Code nicht zu sehen ist, muss für die selektierte Buchung auf „PDF exportieren“ geklickt werden. Im PDF-Export ist dann der Code (ähnlich „C-xxxxxx“) ersichtlich, sodass die Karte aktiviert werden kann.

    Viele Grüße
    Mario

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