Grabsteine auf Friedhof

Papierloses Leben vs. papierloser Tod

Wir haben unser Büro vollständig digitalisiert und tragen es täglich auf unserem Notebook durch die Welt. Der Aktenschrank ist inzwischen leer. Da wir bei den meisten Diensten auf eine digitale Zustellung der Post umgestellt haben, erhalten wir beinahe keine physische Post mehr über den Briefkasten an der Haustür.

Unser digitales Büro liegt entweder lokal auf unserem Notebook, bei einem externen Cloud-Anbieter (z.B. Google Drive) oder in einer selbst gehosteten Cloud (z.B. Nextcloud). Da wir unsere Daten vor dem Zugriff Dritter schützen möchten, wird natürlich alles verschlüsselt: Die Festplatte des Notebooks ist verschlüsselt, die Cloud-Software setzt eine server-seitige Verschlüsselung ein und die regelmäßig erstellten Backups werden natürlich auch nicht unverschlüsselt gelagert. So wie es uns beigebracht wurde, kennen natürlich auch nur wir das Passwort zu unserem Cloud-Speicher. Alles ist – wie es sich gehört – bestmöglich abgesichert.

Der eigene Tod

Doch was passiert, wenn wir (aus welchen Gründen auch immer) plötzlich versterben? Wenn wir unsere Dokumente vor dem Zugriff durch Behörden, Hackern und Geheimdiensten sichern wollten, werden vermutlich auch unsere Angehörigen nicht an die Daten ran kommen. Man selbst ist tot und die Angehörigen sitzen zu Hause und fragen sich, welche Versicherungen, Bausparverträge, Abos etc. von uns abgeschlossen wurden. Da der Aktenschrank inzwischen digitalisiert und anschließend vernichtet wurde, können leider nicht einfach die Aktenordner durchforstet werden.

Da stellt sich die Frage, wie die Angehörigen denn unser Leben (also der verstorbenen Person) abwickeln sollen, wenn sie nicht einmal wissen, welche Verträge abgeschlossen wurden. Auf den Cloud-Speicher, die E-Mails etc. haben sie keinen Zugriff. Es bleibt also nur die Beobachtung der Kontobewegungen und die Untersuchung der Post, die noch physisch zugestellt wird. Haben wir als verstorbene Person einen öffentlichen Cloud-Anbieter (z.B. Google) genutzt, kann bei den Diensten eine Übernahme des Kontos beantragt werden. Nutzt man jedoch eine selbst-gehostete Cloud-Software (z.B. Nextcloud), kann nicht ohne Weiteres im Nachgang der Zugang gewährt werden. Der große Vorteil „Ich bin der Herr über meine Daten“ einer eigenen Cloud-Lösung wird in dem Fall zum Problem.

Vorsorge treffen

Das papierlose Büro ist wahrscheinlich vorwiegend bei den jüngeren Generationen angesagt. In dem Alter denkt man noch nicht über den eigenen Tod nach, denn er befindet sich ja hoffentlich noch in weiter Ferne. Dennoch kann es leider jederzeit auch vorzeitig passieren, sodass man auch schon im jungen Alter vorsorgen sollte.

Aber wie kann man denn vorsorgen? Wir sollten unserer Familie bzw. den (Ehe-)Partner (regelmäßig) darüber informieren, wie das papierlose Büro organisiert ist. Wo liegen welche Daten? Wie kann darauf zugegriffen werden usw. Im Notfall muss sich der Partner schnell in den Daten zurecht finden. Das kann ja auch schon passieren, wenn wir im Krankenhaus liegen und der Partner erhaltene Dokumente der Krankenkasse einsehen muss.

Nachdem der Partner in das papierlose, digitale Büro eingewiesen wurde, sollten wir ihm bzw. ihr natürlich auch die Möglichkeit gegeben werden, auf die Daten zuzugreifen. Nutzen wir die Cloud-Software Nextcloud, könnten wir ihm/ihr ein eigenes Benutzerkonto einrichten und die wichtigen Ordner freigeben (Lese-Modus reicht aus). Im Normalfall wird die Person den Zugang nie verwenden, kann aber im Notfall auf die Cloud-Daten und somit das digitale Büro zugreifen.

Fazit

Das Thema „Tod“ ist oft nicht präsent und wird vergessen, wenn alle Daten verschlüsselt gespeichert und vor jeglichen Zugriffen dritter Personen verschlossen werden. Das hat jedoch den Nachteil, dass auch im Todesfall nicht auf die Daten und somit das digitale Büro zugegriffen werden kann. Man sollte sich somit frühzeitig mit der Vorsorge beschäftigen, um den Angehörigen die „Abwicklung“ des eigenen Lebens nicht unnötig zu erschweren. Eine Möglichkeit dazu wäre die Freigabe aller Daten an eine Vertrauensperson (z.B. den Partner). Dadurch geht man jedoch einen Kompromiss ein, denn der Zugriff einer weiteren Person auf die Daten geht zulasten der Datensicherheit.

Wie geht ihr mit dem Thema um? Habt ihr Vorsorgen getroffen? Mich würde sehr interessieren, wie ihr das Thema gelöst habt. Falls ihr bisher noch nicht darüber nachgedacht habt, freue ich mich, wenn ich durch diesen Blog-Artikel einen Denkanstoß gegeben habe. Leider liest man zu dem Thema sehr selten etwas. Dabei ist es ein sehr wichtiges Thema, das „Huckepack“ mit der Digitalisierung kommt.

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